Rezensionen

Hier finden Sie Auszüge aus Besprechungen von Werkaufführungen von Gerd Kühr.

Eine Botschaft gegen die Armut der Fantasie (Klaus Oberrauner), KTZ, 24. Jänner 2012

Wenn der Tag den Ton bestimmt Teil 1 und Teil 2 (pdf zum Download)
(Marianne Fischer), Kleine Zeitung, 21. Jänner 2012

MUSIC AUSTRIA, 21. November 2011 (Heinz Rögl) - Auszug

Gerd Kühr dirigierte „die reihe“: Britische Bearbeitungen historischer Werke, Cerhas „Quellen“ und eine eigene Uraufführung ("Música Pura")

... Die Idee, eine „reine Musik“ zu schreiben, kam Kühr paradoxerweise bei der "Revue instrumentale et électronique", seiner Raumklangkomposition für das Grazer Musikprotokoll 2005. Gerd Kühr, dazu befragt: „Weil ich damals bei meiner ‚Revue’, die auch mit elektronischen Einspielungen sehr groß aufgezogen war, einen kurzen Satz hineingesetzt habe, wo nur ein Trio ohne jegliche Zuspielung gespielt hat – damals hatte ich schon die Idee, etwas vom ganzen Drumherum loszulösen und eine Art ‚Musica pura’ zu schreiben. Daraus sind jetzt fünf Sätze entstanden, die auch in dieser Reihenfolge zu spielen sind. Zusammen mit meiner Komposition werden ein Guillaume de Machaut-Hoquetus (Harrison Birtwistle) und Motetten-Bearbeitungen alter englischer Komponisten von Peter Maxwell Davies aufgeführt. Nun ist es möglich, meine ‚Musica pura’ satzweise mit den Vertonungen von Maxwell Davies zu mischen, das ergibt auch Sinn und funktioniert ziemlich gut, was die Zusammenhänge und harmonischen Übergänge betrifft. Mehr dazu 

DER STANDARD, 24. November 2011 (Daniel Ender) - Auszug

Hochexpressive Miniaturen - Cerha, Kühr und Mitterer bei Wien Modern

...Heute noch hochkonzentrierte "reine" Musik schreiben - auch das geht, wie Gerd Kühr im Schömer-Haus Klosterneuburg mit der Uraufführung seiner Música Pura bewies: Die fünf kurzen Sätze, bei denen der Komponist das Ensemble "die reihe" dirigierte, sind äußerst sparsam, aber dabei keineswegs fragmentarisch, gehen meist von punktuellen Ereignissen aus, finden jedoch immer zu sinnfälligen Zusammenhängen.

NÖN, 21. März 2011 (Michaela Fleck) - Auszug

Frisch gekelterte Texte und Töne

LOISIARTE / Zum sechsten Mal schon lädt Christian Altenburger ins Langenloiser Loisium – zu neuer Musik, alten Texten & feinen Gästen.

...Davor und danach steht aber ganz Anderes am Festivalprogramm, nämlich: schöne Worte und frische Töne. Die kommen heuer vom „Composer in Residence“, dem Kärntner Gerd Kühr, vom Amerikaner Jon Deak, oder vom jungen Villacher Christof Ressi, außerdem von Franz Schubert, George Gershwin, Jean Sibelius und Edvard Grieg.

Dazu hat Festivalleiter Christian Altenburger Burgschauspieler und Starautoren eingeladen. Zum Beispiel Michael Köhlmeier, der aus seinen jüngsten Texten liest. Oder Wolfram Berger, Maria Happel und Joachim Bißmeier, die Mark Twain, Isabel Allende und Halldór Laxness mit nach Langenlois bringen.

Zeit-Ton, http://oe1.orf.at/programm/269492, 15. März 2011 - Auszug

Zeit-Ton

Über die Sendung "Zeit-Ton" - Der Kompositionswettbewerb ZEITklang.
Gestaltung: Ursula Strubinsky

...Im Rahmen des Kompositionswettbewerbs ZEITklang waren junge europäische Komponistinnen und Komponisten eingeladen, neue Werke für Streichquartette zu schreiben. Eine namhafte Jury unter dem Vorsitz von Gerd Kühr wählte die herausragendsten Werke aus. Am 12. März wurden diese im Schömer-Haus in Klosterneuburg vom "Kairos Quartett" uraufgeführt. Zu hören waren neue Streichquartette von Juan Cruz-Guevara, Ansgar Beste, Nicolas Tzortzis, Martin Iddon und Roberto David Rusconi.

Kronen Zeitung, 16. November 2010 (MW) - Auszug

"recreation" im Grazer Stefaniensaal: Komponist am Pult
Das Orchester "recreation" widmete sich im Congress einem stimmigen Paket aus Neuer Musik und Romantik. Patricia Kopatchinskaja brillierte in Gerd Kührs Violinkonzert von 2006; der Komponist selbst sorgte am Pult für eine ideale Umsetzung. Selbige gelang ihm mit zwei Orchesterwerken von Mendelssohn.

Dass Gerd Kühr als zeitgenössischer Musikschaffender "anders" hört, war schon an den ausgedünnten Akkordwandlungen der Streicher zu hören, welche Mendelssohns Konzertouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt" eröffnen.

Wonnevoll blähten sich daraufhin die Segel, mit lebhafter Frische, die der in Graz wirkende Kärntner später auch im Kopfsatz der "Italienischen" Symphonie erzeugte. In den Binnensätzen gab sich Kühr keineswegs mit Schönklang zufrieden. Hier herrschte Transparenz und grandiose Leichtigkeit, Aufbruchsstimmung im rasanten Finale.

Sensation des Abends waren Kührs "Movimenti für Violine und Orchester": Als "Thema" übernahmen sie kurzerhand den Kammerton "a" direkt vom Stimmen. Allerhand Klang- und Geräuschspektakel - Flageolets, perkussives Spiel, Tremoli - von Kopatchinskaja mit umwerfendem Spielwitz und ansteckender Begeisterung erzählt, verdichteten sich zu fesselnder Kurzweil, die man nicht durchschauen musste, um sie zu lieben.

Kleine Zeitung, 16. November 2010 (Ernst Naredi-Rainer) - Auszug

"Höchst originelle Aufarbeitung der Konzerttradition"
Gerd Kühr dirigiert sein Violinkonzert "Movimenti".

..Warum stimmt das Orchester seine Instrumente erst dann, wenn der Dirigent bereits ans Pult getreten ist? Weil Gerd Kühr das so komponiert hat, weil er aus dem Zentralstimmton "a" sein 2006 für Patricia Kopatchinskaja geschriebenes Violinkonzert "Movimenti" entwickelt. Der nächste Überraschungsgag: Die Solistin bleibt zunächst unsichtbar. Dann löst sich aus dem Tremolo der Streicher ihr Ton und die Widmungsträgerin schreitet von hinten barfuß an ihren angestammten Platz, wo sie sich so heftig auf ihre erste Solopassage stürzt, dass ihr der Bogen aus der Hand fällt.

Unter der Authentizität garantierenden Leitung von Gerd Kühr, der das ebenso diszipliniert wie engagiert musizierende recreation-Orchester sorgfältig auf seine heikle Komposition vorbereitet hat, spielte Patricia Kopatchinskaja am Montag und Dienstag im Stefaniensaal mit der für sie charakteristischen Impulsivität das auf ihr Temperament zugeschneiderte Konzert, das sich in elf Teilen originell mit der Virtuosentradition auseinandersetzt und sich mit den zu Beginn und am Ende erklingenden Tönen der leeren Saiten vor dem Violinkonzert Alban Bergs verbeugt. ...

Kleine Zeitung, 6. November 2010 (Herbert Schranz) - Auszug

"Rätsel und völlige Klarheit"

"Styria Cantat" bot auch in der dritten Auflage zahlreiche Auftragswerke für eine Leistungsschau steirischer Chöre in zwei Konzerten im "Mumuth".

...Das zweite Konzert wurde vom Vocalforum und der Cappella Nova Graz (Leitung: Franz M. Herzog bzw. Otto Kargl) mit eindrucksvollen Werken von Gerd Kühr und Beat Furrer dominiert. "Nicht mehr bewohnbar" heißt es am Ende von "An die Musik I" von Kühr. So unglaublich imaginativ diese Musik oder auch Furrers denkwürdige Leonardo-Vertonung "Enigma IV" ist, gemütlich "bewohnen" kann man sie tatsächlich nicht. ...

..."An die Musik II" von Kühr ist eine beeindruckend klar darstellende Vertonung eines transzendierenden Gedichts von Detlev von Liliencron (1844-1909). ...

Kleine Zeitung, 19. September 2010 (Ernst Naredi-Rainer)

"Kristallklare Sensibilität und Verzicht auf dräuendes Pathos"

"Zum Saisonauftakt zelebrierte die Grazer Oper den 60. Geburtstag des Grazer Philharmonischen Orchesters."

...Am Beginn stand ein modernes Stück: "Eso Es", komponiert 1989 von Gerd Kühr, dessen Turrini-Vertonung "Tod und Teufel" die Grazer Oper 1999 aus der Taufe gehoben hatte, nimmt schon im Text explizit auf den Ton "es" Bezug und damit auf die Grundtonart der "Eroica". ...

Kleine Zeitung, 8. August 2010

"Vom Wirtshaus ins Staatsopernballett"

"Sie spielen echte Volksmusik, das aber auf höchstem Niveau. Damit ist es nur ein Katzensprung zur Klassik."

...Heuer hat Komponist Gerd Kühr ein Stück für die fünf "Bradlmusiker" bearbeitet, in dem die typischen Klangbilder der alpinen Volksmusik kunstvoll umgesetzt wurden. "Ein echstes Gustostückerl", schwärmt Preßl, der trotz der vielen Auftritte mit dem musikalischen Hochadel auf dem Boden geblieben ist. ...

Kronen Zeitung (MG), 2. Juli 2010

"Junge fürs Neue"

"Abschlusskonzert im Grazer MUMUTH"

...Auf dem Programm standen ausschließlich Werke aus der "goldenen Generation" der Grazer Komponistenschule: Georg Friedrich Haas´in abenteuerlichen Harmonien und Glissandi wurzelndes Nachtschattengewächs "Monodie", Bernhard Langs typischerweise mit dem Element der variierten Wiederholung spielendes "DW 5", Gerd Kührs farblich und dynamisch so reich schattiertes "stop and go an black and white"  ...

Kleine Zeitung (von Ernst Naredi-Rainer), 29. April 2010

"Im Zeichen der Zahl Neun"

"In der Saison 2010/2011 wird das Grazer recreation-Orchester gleich mehrfach der Zahl Neun huldigen. Natürlich in neun Doppelkonzerten."

...Weiterhin ohne Chef, wird das recreation-Orchester in der kommenden Saison mit Dirigenten musizieren, die es besonders ins Herz geschlossen hat: Michael Hofstetter, Gerd Kühr, Josep Caballé-Domenech, ...

Die Presse (von Irene Suchy), 29. Mai 2009

"Die Weis, nach der die Sonne tönt"

"Kaum ein österreichischer Komponist, der nicht in den vergangenen Jahren eine Messe, ein Requiem, ein konfessionell verankertes Chorwerk komponiert hätte. Was wollen sie uns damit sagen?"

… Ulf Schirmer, der als Initiator eines „Magnificat“-Auftrags an Gerd Kühr mit religiösen Aufträgen Erfahrungen hat, weiß von der besonderen persönlichen Beteiligung, von der Auseinandersetzung mit Spiritualität und Emotionalität in Ablehnung und Zuspruch. Ein Magnificat komponieren heißt auch für Gerd Kühr, die Kompositionsgeschichte des Magnificats mitzukomponieren. Kühr strebt ein autonomes Komponieren für den kirchlichen Raum an, es soll sich zu seinem religiösen Umfeld „verhalten“, wie er wörtlich sagt, nicht (mehr) Vorgaben eines Auftraggebers einhalten. Das „Magnificat“ ist von Kühr in Absprache mit dem Auftraggeber gewählt, weil es „handfester“ als etwa das Credo einer Messe ist: „sehr handfest, bildhaft und aus einer konkreten Situation heraus gesprochen“. Uraufgeführt 2008 als Auftragswerk des Bayerischen Rundfunks, bilden vier Teile die Überschriften des Ganzen: „Introductio – Meditatio – Magnificat – Epilogus“.

Kühr legt sein Orchester schattenhaft an, für Schirmer ein „komponiertes Stocken oder Zweifeln“, auch „der Kampf mit dem Material“. Kühr gibt seine Stellungnahme als Orchesterkomponist ab. Das Material gibt beim Lesen aber auch beim Hören – der Sopran muss die Grenzen des Schönen überschreiten – „ganz physisch einen fragenden Eindruck“. …

 

Kleine Zeitung (online), 28. Mai 2009

"Vier Komponisten zeigen in Graz ihre „Opern der Zukunft"

"Christiane Lutz inszeniert vier Uraufführungen an der Grazer Oper"

Vier junge Komponisten stellen kommenden Freitag (5.6.) auf der Studiobühne der Grazer Oper ihre Werke zur Diskussion. Es handelt sich um Kompositionsstudenten von Gerd Kühr und Pierluigi Billone, die auf unterschiedlichste Weise die Möglichkeiten dieser Gattung demonstrieren. Regie führt Christiane Lutz, die die verschiedenen Arbeiten als stimmiges Ganzes auf die Bühne zu bringen versucht. …

 

Wiener Zeitung (von Gerhard Kramer), 26. März 2009

"Im Dienst der Neuen Musik"

"50 Jahre Ensemble "die reihe" – das ist die wechselvolle Geschichte von Kämpfen und Siegen für das Musikschaffen des 20. und 21. Jahrhunderts."

… Getreu der Programm-Philosophie des Ensembles umspannte der Abend Werke aus einem halben Jahrhundert. Brandneu ein Auftragswerk zum Jubiläum: "reihenweise" von Gerd Kühr, zwölf Stücke, die nicht ohne hintergründigen Humor einen klingenden Abriss der vergangenen 50 Jahre bieten – Punktuelles, Serielles, Klangflächen à la Ligeti. …


Kurier (opal), 24. März 2009

"Auch zum Jubiläum ein Genuss"

"die reihe", deren wichtige Aktivitäten für die Moderne nicht immer geschätzt wurden, feierte am Sonntag im Konzerthaus ihr 50-jähriges Jubiläum. Schon das eröffnende Auftragswerk der Formation, Gerd Kührs "reihenweise" (UA), war dem Anlass angemessen. In der 15-minütigen, gekonnt gemachten Reminiszenz an Kompositionstechniken der vergangenen 50 Jahre arbeitet Kühr geschickt mit Geräuschen, Clustern, Mikrointervallen, ungewohnten Effekten, etc. …

 

Die Presse (von Wilhelm Sinkovicz), 23. März 2009

"Konzerthaus: Tanz und viel Spaß auf den Trümmern"

Friedrich Cerha gestaltete das Jubiläumskonzert der "reihe" als Rätselspiel der Musikmoderne.

… Auch Gerd Kühr gehört in die Runde der Findigen, die in unseren Breiten Musik doch zuallererst auch als Medium der (wenn auch höchst intellektuellen) Unterhaltung und Erbauung begreifen. Er steuerte zum Jubiläum mit ironischer Anspielung auf die zwölf Töne der "reihe" zwölf Stücke für 12 Musikanten bei, kurz und bündig, aber stets Geschichten erzählend, mit Klangbildern (wie Cerhas "Spiegel", doch en miniature) formale Strukturen aufbauend, die jedermann, der willig lauscht, leicht entschlüsseln kann – um jeweils auch die Pointen zu genießen, die jeder der kurzen Piècen beschließen. Neue Musik, die Spaß macht, und zwar gleich bei der Uraufführung! …

 

Kleine Zeitung (von Eva Schulz), 13. Februar 2009

"Jugend trifft Avantgarde"

"Styria cantat" führte junge Chöre und Komponisten zueinander und beeindruckte mit 20 Uraufführungen zeitgenössischer Chorwerke.

… Des klingt nach nix. Die Erstkonfrontation der Jugend mit dem Zeitgenössischen schilderte Gertrud Zwicker: "Des klingt nach nix, anstrengend zu singen, extrem schwer, fremd", waren die spontanen Kommentare. Renommierte Komponisten wie Beat Furrer, Gerd Kühr, Klaus Lang, Bernhard Lang, Christian Muthspiel, Friedrich Cerha oder Ivan Eröd mussten sich solches Urteil gefallen lassen und das Foto Wilhelm Spullers wurde gar mit Dartpfeilen beworfen. Im Laufe der Proben, in der Zusammenarbeit mit den Komponisten entstand aber Annäherung, Verständnis und auch wachsende Begeisterung. Die erlebte auch das Publikum. ...

 

Kleine Zeitung (von Eva Schulz), 5. Jänner 2009

"Styria cantat": Gesänge hinterm Semmering

…Vorstöße in die Gegenwart. Natürlich wagen engagierte Chorleiter immer wieder vereinzelt Vorstöße in die Musik der Gegenwart. Die große Idee, die als echter Multiplikator funktioniert, braucht aber ein Energiebündel wie Bezirksleiterin Gertrud Zwicker. Mit ihrem Projekt "Styria cantat" setzte sie im Februar 2007 einen ersten nachhaltigen Impuls. 15 renommierte Komponisten wie Beat Furrer, Gerd Kühr, Klaus Lang oder Christian Muthspiel schrieben für 15 steirische Kinder- und Jugendchöre. Die gemeinsame Uraufführung in der List-Halle war ein beeindruckender Erfolg. …

 

Klassik.com (von Dr. Stefan Drees), 23. Oktober 2008

"Eine Platte für Selberdenker"

Patricia Kopatchinskaja spielt: Werke für Violine und Orchester von Kühr, Resch & Zykan

…Ganz anders wirken dagegen die "Movimenti" (2006) von Gerd Kühr (*1952) mit ihren ständigen Brüchen, hinter denen gleichfalls Erinnerungsfragmente hervorblitzen. Nicht nur die vielen Wendungen der Musik, auch der Anfang wartet mit Überraschungen auf: Wenn der Hörer nämlich erkennen muss, dass der Stimmvorgang des Orchesters sich plötzlich zur Grundlage eines fein gesponnenen Klangs verändert, über dem in höchsten Lagen schwebend die Solovioline einsetzt – ein Prozess, der im Ende der Komposition im Stimmen der leeren Saiten des Soloinstruments gespiegelt wird. Stefan Asbury zeichnet die Wendungen von Kührs Musik aufmerksam nach, Kopatchinskaja beeindruckt durch souveräne Bewältigung der geforderten Spieltechniken und durch genaue Umsetzung der Stimmungsschwankungen, die Passagen voller Fragilität mit eisig wirkender Klanglichkeit ebenso umfassen wie Ausbrüche voller Emotionalität und Wärme der Tongebung. Dabei gerät vor allem das letzte Drittel des Werkes dermaßen intensiv, dass man kaum zu atmen wagt. …

…Für mich gehört diese Produktion ohne jeden Zweifel zu den spannendsten Platten des auslaufenden Jahres, denn sie ist ein wichtiges Dokument, das sich mit der Aktualität des Komponierens für die Konzertgattung befasst und schon von daher einen hohen Repertoirewert verdient. … 

 

Süddeutsche Zeitung (von Johannes Rubner), 8. Juli 2008

"Nervenzerfetzend"

Gerd Kührs "Magnificat" in der Herz-Jesu-Kirche.

Er wolle nur erzählen, nicht kommentieren und werten, so Gerd Kühr über seine Komposition des "Magnificat". Aber dabei bleibt es natürlich nicht. Schon der Beginn der Sopranpartie ist ein nervenzerfetzender Aufschrei, keine bloße Anrufung. Kühr, geboren 1952, ist ein Exeget, einer, der das Wort in den Mittelpunkt stellt. Seine Auftragskomposition für die Reihe "Paradisi Gloria" in der Herz-Jesu-Kirche fügt Texte von Rilke und Lichtenberg zum lateinischen Magnificat, versucht konstruktive Dichte zu erreichen und neue Positionen aus dem Kontrast zu gewinnen. Zentralfigur ist die Sängerin, der Chor vermittelt – mit manchen Anklängen ans musikgeschichtliche Früher, das Orchester verstärkt. Ausgezeichnet die Sopranistin Angelika Luz, bestens flankiert vom Bariton Adrian Eröd sowie vom Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer. … 

 

Münchner Merkur Nr. 156 (von Tobias Hell), 7. Juli 2008

"Uraufführung bei 'Paradisi Gloria"


… Noch stärker sogar im direkten Vergleich mit Gerd Kührs "Magnificat", das an diesem Abend von Dirigent Ulf Schirmer mit großem Engagement aus der Taufe gehoben wurde. Wobei in Kührs kontrastreicher Partitur vor allem jene Passagen im Gedächtnis haften bleiben, die der Komponist dem gewohnt souveränen Chor des BR zugedacht hatte.

 

Die Presse (wawe), 7. April 2008

"Nur Farb' und Pinselstrich"

Gerd Kührs "Linie Punkt Fläche Raum": Klingende Malereien mit dem RSO Wien unter de Billy.

Die Partitur als Leinwand, das Orchester als Farbpalette – selten schienen Metaphern aus der Malerei in der Musikbetrachtung so passend wie diesmal. Denn Gerd Kühr, der sich gern kniffligen kompositorischen Aufgaben widmet, hatte sich vorgenommen, Phänomene der bildenden Kunst mit klingenden Mitteln nachzustellen. Die Uraufführung seines lakonisch, aber zielgerichtet "Linie Punkt Fläche Raum" benannten Werks stand im Zentrum eines Konzerts des wieder einmal sensibel und konzentriert agierenden Radio Symphonieorchesters Wien, mit Chefdirigent Bertrand de Billy statt dem erkrankten Okko Kamu. Ein kraftvoll spontaner Pinselstrich, ein paar aus dem Handgelenk geschüttelte, wie zufällig scheinende Farbspritzer: Für dergleichen unverbrüchliche Maller-Kniffe muss ein Komponist enorm viel Zeit in Überlegung und Ausführung investieren. Kühr ist es in den sechs Miniaturen dennoch gelungen, solche Unmittelbarkeit fürs Ohr zu konservieren und im Moment der Aufführung neu lebendig zu machen. Mit großer Treffsicherheit werden bildnerische Techniken wachgerufen, wirken die präzise gesetzten Klänge sinnfällig, einleuchtend und doch nicht vorhersehbar. …

 

Der Standard (von Daniel Ender), 7. April 2008

"Der Tonfall macht die Musik"

Das RSO Wien mit einer Uraufführung von Gerd Kühr im Musikverein

Dass jeder Raum einen bestimmten Klang hat, ist bekannt, auch wenn man sich dessen nicht immer bewusst ist. Nicht einmal beim Goldenen Saal des Musikvereins mit seiner vielgerühmten Akustik. John Cage hatte einst ein Lied davon gesungen, dass sich Publikum und Musiker denselben Resonanzraum teilen. Aber das fällt im Konzertalltag allenfalls störend auf: die Huster, die Handys.
Dies war zwar auch im jüngsten Abo-Konzert des Radiosymphonieorchesters Wien nicht anders, erfuhr aber eine Erweiterung. Denn schon nach der Pause, als der Raum noch das Raunen der Erwartung einer Uraufführung füllte, begann diese unmerklich, weil leiser als die Flüstergespräche. Nahtlos, weil das Stück mit einem Rauschen begann, das sich dem Klang des Saales anschmiegte, als sei es ihm auf den Leib geschrieben. Beinahe regungslos setzte "Linie Punkt Fläche Raum" ein, in dem sich Gerd Kühr auf Spurensuche musikalischer Analogien zur bildenden Kunst begab und im eingangs skizzierten Raum punktuelle Ereignisse setzte, sie zu Linien verband, um diese dann auszubreiten. Einiges erinnerte dabei an Friedrich Cerhas monumentalen "Spiegel"-Zyklus aus den Sechzigerjahren.
Aber ungleich verfeinert hat sich seither die Kompositionstechnik. Um im Bild zu bleiben: Zwar sind die Pinsel nicht genauer geworden, aber viele werden gleichzeitig verwendet. Meisterlich und bescheiden, niemals grell, führt Kühr seine Striche, erstaunlich ist die Ökonomie des Materials, seine engen Verbindungen, die in verschiedenen Erscheinungsformen stets hörbar bleiben. Das akkurate Orchester unter "Federführung" von Bertrand de Billy hatte hier entscheidenden Anteil. …

 

Salzburger Nachrichten (von Heinz Rögl), 13. November 2006

"Violin-Kapriolen"

Wien Modern: Gerd Kührs Violinkonzert "Movimenti" wurde vom RSO Wien unter Stefan Asbury und der Geigerin Patricia Kopatchinskaja uraufgeführt.


… Der Kärntner Komponist schuf eine komponierte Reflexion über Klischees des Virtuosentums, über die Rollenverteilung zwischen Solist und Orchester. Dieses fordert bald einmal mit rhythmisch köstlich "verschrägten" ungarischen Rhapsodiekaskaden das große Solo ein, später, mit Dämpfern geknebelt, die innig-romantische Kantilen. Gerd Kühr erweist sich in dieser Auftragskomposition des Wiener Mozartjahres als großer, hintergründiger Humorist. Für die temperamentvolle Geigerin ist das "ein Fressen". Der Kreis schließt sich, wenn sie unversehens wieder zu stimmen anfängt und das Stück mit einer Pizzicato-Volte der leeren Saiten abrupt und immens effektvoll endet. Oder? Applaus, die Türen im Musikverein sind von den informierten Saalwärtern bereits geöffnet, Pausenlärm dringt herein – da stolziert die Solistin triumphierend schon wieder geigend aufs Podium. Natürlich hat ihr Gerd Kühr auch noch das "Encore" mitkomponiert.

Diese Uraufführung war der unbestrittene Höhepunkt im Konzert des RSO Wien, das mit Gyögy Kurtags "New Messages" beeindruckend eröffnet worden war. … 



Radio – Stefan Asbury (Ö1, "gehört" November 2006)

Rezensionen zu "Movimenti"


… Auch die Movimenti (2006) des 1952 geborenen Gerd Kühr – humorige und hintergründige Auslassungen anlässlich des Mozartjahres 2006 – starten mit szenischen Aktionen des Orchesters, in die die Geigerin ebenso unvermutet einsteigt, wie nach gefühlvollen Kantilen, ungarische Rhapsodien und rhythmischen Kapriolen alles vorbei scheint – sie wieder aus der Versenkung auftaucht und noch eine Kadenz abbrennt. …