Stallerhof

Oper von Gerd Kühr, Libretto von Franz Xaver Kroetz nach seinem gleichnamigen Theaterstück (1986/87)
Auftragswerk der Landeshauptstadt München zur 1. Münchener Biennale 1988

Besetzung: Staller -Charaktertenor, Stallerin -Mezzosopran, Beppi -Sopran, Sepp -Bariton, Frauenterzett -2 Soprani, Mezzosopran (auch 3 Lotosflöten, bei Bedarf aus dem Orchester zu besetzen)

Orcheserbesetzung: 1(auch Altfl u Picc) -1(auch E.H.) -3(2. auch Bassetthorn, 3. auch Bassklar) -1(auch Kfg) /1-1-1-0 /Schlagwerk(2 Spieler) /Harfe /Hackbrett /Streichquintett (solistisch oder chorisch zu besetzen)

Schlagzeugbesetzung im Detail: Guiro, Peitsche, Rassel, Schellen, Sistrum, Flexaton, 5 Holzblocks, 5 Tempelblocks, 5 Bongos, 4 Tom-Toms, 1 große Conga, Schellentrommel, kleine Trommel, Rührtrommel, große Trommel, 3 Pauken, 1 chinesisches Becken, 4 Becken, 2 Tamtams [mittel-groß], Almglocken, Glockenspiel, Röhrenglocken, 1 großer Waldteufel, Donnerblech)

Verlag: Franz Xaver Kroetz Dramatik, Kirchberg, München (vertreten durch Henschel Schauspiel, Berlin)

Uraufführung: 03.06.1988, München, 1. Münchener Biennale (Co-Produktion mit dem Hessischen Staats- theater Wiesbaden).
Staller: Hubert Delamboye, Stallerin: Dorothe Kimmich, Beppi: Raphaela Weil, Sepp: Georg Paucker; Frauenterzett: Jeanice Harper, Maria Karb-Bienefeld, Corinna Meyer-Esche. Inszenierung: Jaroslav Chundela, Ausstattung: Johannes Leiacker. Ensemble Modern, Dirigent: Ulf Schirmer

Gerd Kühr über die Entstehung: Ein dreiviertel Jahr lang hatte ich mich schon theoretisch mit dem „Stallerhof“ beschäftigt, bevor ich die erste Note aufschrieb. Ich habe zunächst nur Farben, Ideen gesammelt und sie mir in Worten aufgeschrieben und nicht in Noten. Dem ganzen Stück habe ich dann einen genauen Plan zugrunde gelegt. Während dieser Vorarbeiten bin ich, ob zufällig oder nicht, auf ein Zitat von Verdi gestoßen, das genau den Punkt betraf, auf den es mir ankam: „Wenn man die Wirklichkeit nachbildet, kann etwas recht Gutes herauskommen. Aber Wirklichkeit zu erfinden ist besser, weit besser.“
Aufgezeichnet von Michael Kerstan nach einem Gespräch mit dem Komponisten. In: Neues Musiktheater. Almanach zur 1. Münchener Biennale, hg. von H. W. Henze. Carl Hanser Verlag, München 1988.

Zur Oper: Das Leben des kleinen Mannes als absolut erschütternd empfindend entfaltet Kroetz anhand seiner Milieu-Erkenntnisse die Hauptfigur des Dramas: Beppi. Stallerhof erzählt vom Leben der vermeintlich zurückgebliebenen Bauerntochter, zeigt die ihr anerzogene Geistesschwäche und ihr Erwachen aus der Sprachlosigkeit und Unselbstständigkeit. Ihre Eltern leiden sehr an ihrer eigenen Unfähigkeit, selbstbestimmt zu leben und daran, dies zu ändern. Sie handeln und verhalten sich ständig unangemessen zu ihrer Situation, “weil sie sich in hilfloser Verzweiflung gegenüber den Mechanismen der Gesellschaft nur durch Akte der narzisstischen Selbstverstümmelung zur Wehr setzen können.“ (Gerd Müller)
Auszug aus dem Programmheft Universität Hamburg: Eine Produktion des hochschul- übergreifenden Studiengangs Musiktheater-Regie am itmf (Institut für Theater, Musik- theater und Film) Universität Hamburg, Hochschule für Musik und Theater Hamburg http://mtr.hfmt-hamburg.de/jfvorstellungen/phefte/PHstallerhof.pdf

Link: http://www.henschel-schauspiel.de 

Mit freundlicher Unterstützung: Luzerner Theater – Adrian Balmer, HFTM-Hamburg – Peter Krause

Foto 1 und 2: © Wil van Iersel, Foto 3: © Tim Kellner